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Die blaue Stunde - Tipps für beeindruckende Bilder in der Abenddämmerung

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Die blaue Stunde fotografieren

Die richtige Lichtstimmung ist für Fotografen das Salz in der Suppe jedes Bildes. Nicht umsonst wirken selbst alltägliche Szenen mit der richtigen Lichtstimmung wie atemberaubende Kunstwerke. Für besonders faszinierende Lichtverhältnisse sorgt die Blaue Stunde, die bei Foto-Artists nicht umsonst auch als "Goldene Stunde" bekannt ist. Erfahre, wie Du beeindruckende Bilder zu dieser ganz besonderen Zeit perfekt in Szene setzt.

Was ist eigentlich die blaue Stunde in der Fotografie?

Bei der blauen Stunde handelt es sich um ein besonderes Lichtschauspiel in der Abenddämmerung. Dabei erscheint der Himmel kurz vor dem Eintritt der nächtlichen Dunkelheit bereits tiefblau, während die Umgebung noch indirekt vom vorhandenen Restlicht beleuchtet wird.

Physikalisch entsteht dieser für Fotoaufnahmen so reizvolle Effekt durch die Wechselwirkung zwischen der sogenannten Rayleigh-Streuung und der Chappuis-Absorption oder vereinfacht gesagt das Zusammenspiel aus den physikalischen Eigenschaften der Ozonschicht und dem flachen Strahlungswinkel des Sonnenlichts nach dem Untergang der Sonne.

Was der Sonnenuntergang für Fotografen so reizvoll macht

Die Magie der blauen Stunde erklärt sich durch den Komplementärkontrast zwischen den bestimmenden Farben. Betrachten wir den Farbkreis, liegen das tiefe Blau des Himmels und das Orange-Gelb von Beleuchtungselementen, wie wir sie in der Stadt oder als Schimmer am Horizont vorfinden, genau gegenüber. 

Damit verstärken sich die Komplementärfarben gegenseitig, was für eine besondere Bildharmonie mit reizvollen Effekten sorgt. Zudem ist das vorhandene Restlicht stark genug, um unbeleuchtete Stellen und tiefe Schatten im Bild zwar dunkel aber nicht vollständig schwarz erscheinen zu lassen.

Gleichzeitig wirken viele Umgebungen bei Dunkelheit durch eine Vielzahl an künstlichen Beleuchtungsquellen lebendiger als am helllichten Tag. Diese einmalige Stimmung lässt sich durch eine entsprechende Bildkomposition in der blauen Stunde am besten in Szene setzen. 

So lange dauert die blaue Stunde

Die blaue Stunde ist lediglich ein allgemeiner Begriff, der leider keine genaue Aussage über die Dauer des Lichtspektakels macht. Wesentlich relevanter ist die Frage: "Wie lange dauert es von Sonnenuntergang bis zur Dunkelheit?" Abhängig vom geografischen Standort und der Jahreszeit variiert die Zeitspanne deutlich, sodass Du diese tagegenau berechnen solltest. 

Während die blaue Stunde am Äquator nur einige Minuten beträgt, liegt die Zeitspanne für die besten Fotos in unseren Breiten zwischen 30 und 50 Minuten. Je näher Du zu den Polen kommst, desto länger fällt auch die blaue Stunde aus. Am Pol selbst kann diese besondere Lichtstimmung jahreszeitabhängig bis zu zwei Wochen dauern.

Der beste Zeitpunkt für Fotosessions in der Abenddämmerung

Die beste Zeit für Fotos in der blauen Stunde richtet sich nach Deinen bevorzugten Motiven. Immerhin hast Du sowohl bei Sonnenuntergang als auch bei Sonnenuntergang die Möglichkeit dazu. Auch wenn sich die Zeit für Nachtaufnahmen im Sommerhalbjahr auf ein Minimum reduziert, ist es optimal für Aufnahmen in der blauen Stunde. 

Immerhin ist diese zu dieser Zeit in unseren Breiten am längsten. Da die Sonne rund um die Sonnenwende erst um 22:00 Uhr unter- und gegen 4:30 Uhr wieder aufgeht, musst Du allerdings eine Nachteule respektive ein Frühaufsteher sein. Im Winterhalbjahr ist die blaue Stunde tendenziell etwas kürzer, dafür aber auch früher. Häufig bereits um 17:00 Uhr am Abend bzw. 8:00 Uhr am Morgen. 

Der Winter ist daher optimal für urbane Aufnahmen, da das Leben in den Städten zur blauen Stunde noch immer tobt. Die besten Verhältnisse bietet im Übrigen der November. Für das Berechnen der blauen Stunde empfehlen sich spezielle Apps wie The Photographer`s Ephemeris (TPE), Golden Hour oder Blaue Stunden.

Die besten Tipps zum Fotografieren in der blauen Stunde

1. Verwende ein Stativ. Beim Freihand-Fotografieren besteht die Gefahr, dass Deine Bilder in der Dämmerung unscharf werden. Schalte anschließend den Bildstabilisator aus, wenn die Kamera auf dem Stativ montiert ist.

2. Öffne die Blende, sodass mehr Licht auf den Sensor trifft. Eine hohe Blendenzahl zwischen f8.0 und f11.0 ist ideal, damit genug Licht auf den Sensor fällt, der Hintergrund aber dennoch scharf bleibt.

3. Niedriger ISO-Wert. Stelle den ISO-Wert im manuellen Kameramodus einen niedrigen ISO-Wert ein. So verhinderst Du bei Dunkelheit ein körniges Bild. Die notwendige Lichteinstrahlung kannst Du durch die Belichtungszeit einstellen.

4. Spiele mit der Belichtungszeit. Diese musst Du beim Fotografieren in der blauen Stunde häufiger neu berechnen und an das Licht anpassen. Beginne kurz nach dem Untergang der Sonne mit einer Belichtungszeit von 1-2 Sekunden und prüfe die Ergebnisse.

5. Schalte den Autofokus ab. Beim Fotografieren in der Dämmerung kann der Sensor Motive schlechter scharf stellen. Fokussiere daher manuell, bis alle Bildbestandteile scharf gestellt sind.

6. Experimentiere mit HDR-Aufnahmen. Hier schießt Du nicht nur ein einziges Bild mit einer festgelegten Belichtungszeit, sondern gleich eine ganze Serie mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Diese Bilder werden bei der späteren Nachbearbeitung übereinandergelegt, was besonders stimmungsvolle Ergebnisse zur Folge hat.

7. RAW-Format Fotografiere sowohl in der Dämmerung am Morgen als auch bei Sonnenuntergang im RAW-Format. Dieses lässt Dir den größten Spielraum für spätere Optimierungen.

8. Spiegel-Vorauslösung. Du verwendest eine Spiegelreflexkamera? Dann aktiviere die Spiegel-Vorauslösung. Diese sorgt dafür, dass sich der Spiegel während der eigentlichen Aufnahme nicht bewegt. Das reduziert das Risiko von Verwacklern.

9. Fotografiere im Live View. So kannst Du nicht nur direkt einen Blick auf das Histogramm werfen, sondern auch das Motiv deutlich besser erkennen als durch den optischen Sucher. Auch ungewöhnliche Perspektiven z.B. in Bodennähe sind so problemlos möglich.

10. Denk an einen Ersatz-Akku. Gerade in der kalten Jahreszeit entladen sich die Zellen durch den Einfluss der Kälte deutlich schneller als im Sommer. Ärgerlich, wenn genau das in der ohnehin kurzen blauen Stunde passiert.

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